von Ralf :
Nun stand der Saisonhöhepunkt für ARA Berlin Brandenburg an: das 600er Brevet. 2 Wochen vorher war ich schon den 600er in Niedersachsen gefahren, bei idealen äußeren Bedingungen: 30°C , blauer Himmel, immer Rückenwind, Nachttemperaturen bei 15°C, relevante Höhenmeter nur zu Beginn (Elm) und Ende (Harzvorland) des Brevets. Rainman-Ralf hatte einen schlechten Tag.
Wie würde es bei uns laufen?
Die Wettervorhersage versprach wechselhaftes Wetter mit für die Jahreszeit zu niedrigen Temperaturen (15°C) bei kräftigem Westwind. So war es dann auch: Bis an den Harzrand hatten alle Fahrer mit kräftigem Gegenwind zu kämpfen, wer schlau war, suchte sich eine passende Gruppe, wo sich die Arbeit gegen den Wind auf mehrere Schultern verteilte. Ich fuhr mit Michael (kam aus Aschaffenburg, dies bedeutet den Pokal für die weiteste Anreise), Nicole, Dietmar, später Hans, der sich von einer schnelleren Gruppe hatte kaputtspielen lassen, zusammen. In Heimburg trennte sich die Gruppe: Hans, Dietmar und ich aßen warm, die anderen wollten weiter und noch im Hellen auf den Brocken. Auf der Rampe aus Heimburg raus ließ ich dann Hans und Dietmar schnell hinter mir und machte mich alleine auf zum Brocken. Mir kamen im Anstieg viele Fahrer aus schnellen Gruppen entgegen, die hatten es gut, ich mußte noch hoch. Der Anstieg zum Brocken hat es in sich, am Anfang ist er neu geteert und relativ sanft, dann wird es steil und der Straßenbelag schlecht, in manchen Baustellenbereichen wird die Straße zur Schotterpiste.
Um 21:30 Uhr war ich oben und bekam noch einen Becher Tee im Brockenhotel, obwohl es eigentlich zumachen sollte. Danke Mädels!
Die Abfahrt im Dunkeln war ziemlich eklig, da die Straße im oberen Bereich extrem buckelig und steil ist. Ich konnte nur sehr langsam fahren. Im Schotterbereich hatte ich dann noch einen Platten vorne, und Nicole war so nett, auf mich zu warten.
Bis Hasselfelde fuhren Nicole, Ole aus Hamburg (Saeco-Man) und ich zusammen. Ich erholte mich recht zügig von den Brocken-Rampen und kam immer besser in Schwung. Ich fuhr ein Tempo, bei dem ich weder ins Schwitzen noch ins Frieren kam, richtig schön gleichmäßig die Berge hoch und runter. Die Straßen waren ruhig, es klarte auf, der Mond war zu sehen, als goldfarbene Scheibe hing er knapp über den Baumwipfeln- Klasse! Nicole und Ole fielen etwas zurück, nur ein weiterer Platter vorne konnte mich stoppen. Das kam mir komisch vor, und bei Inspektion der vorderen Decke fiel ein Riß an der Seite auf. Scheiße! Aber Rainman-Ralf hatte vorgesorgt und noch einen Mantel mit. Allerdings war jetzt der letzte heile Schlauch montiert. Würde der Schlauch halten? Näheres erfahren Sie nach der Werbung... Werbung ist jetzt vorbei: Der Schlauch hat gehalten.
In Sangerhausen wollten Ole und Nicole einen Platz zum Schlafen suchen, Nicole kämpfte mit Sekundenschlaf, und Ole war auch durch. So fuhr ich alleine weiter, ich fühlte mich fit. In Wippra lächelte mich verheißungsvoll die Pension Volksbank an, dem konnte ich nicht widerstehen. In der Bank noch eine Bank, der reinste Luxus! Ich fühlte mich zwar fit, kein Sekundenschlaf, aber ein paar Minuten hinlegen....eine Stunde später wurde ich wieder wach, es war hell und ich fuhr weiter. Ich überholte Robert, der ziemlich platt aussah, sah eine Fuchsfamilie die Straße langlaufen und freute mich auf die nächste Kontrolle in Ballenstedt (km 390) und ein schönes Frühstück. Gegen 6:15 Uhr war ich da, und Manuel wollte gerade los, ließ sich aber ohne große Gegenwehr (nur die neunschwänzige Katze) zum Frühstück überreden. So langsam taumelten andere Randonneure in den Frühstücksraum, die genauso scheiße aussahen wie ich obwohl sie deutlich länger geschlafen hatten.
Ich fuhr mit Manuel und Robert weiter. Robert war schnell alle, so ging es alleine mit Manuel weiter. Hier prallten 2 unterschiedliche Fahrstile aufeinander: ich kam flott die Berge hoch mit hoher Frequenz (Lance) Manuel drückt die Dinger mit Kraft hoch (Ulle) und beschleunigt oben heraus. Wie im richtigen Leben saß Lance aber am längeren Hebel und kam zuerst in Staßfurt an, wo ihm von der begeisterten Kassiererin an der Kontrolle ein schwarzer Tee kredenzt wurde.
Nach Manuel kamen auch die anderen Schlafmützen aus dem Hotel in Staßfurt an, mittlerweile sahen sie besser aus als ich. Trotzdem nahmen sie mich mit, und mit Phelim, Ottmar, Marco, Thomas, Matthias und Manuel ging es weiter in Richtung Dessau. Den Fläming hoch wurden wir langsamer, Manuel baute noch seinen Gepäckträger ab (Gewicht machen), und in Trebbin saßen wir faul in der Sonne rum und wappneten uns für die letzten km nach Berlin, wo wir nach fast 37 Stunden eintrafen und die belegten Brötchen einatmeten.

Fazit:
aus meiner Sicht ein tolles Brevet mit guter Stimmung und anspruchsvollem Streckenprofil.
Glück mit dem Wetter: außer auf dem Brocken sind wir nicht naß geworden.
Meine Taktik, es am Anfang ruhig angehen zu lassen, hat sich bewährt, ich habe doch hinten heraus einige Leute eingeholt (einige auch nicht ist auch egal)
1001miglia kann kommen!

Ralf