von Matthias :
Nachdem Ralf dieses Jahr offensichtlich seine Eigenschaft als „rain man“ abgelegt hat und dieses Jahr als Wetterorakel eher den „sunny guy“ darstellt (200er und 300er waren ja trotz oder wegen seiner Teilnahme bei schönstem Sonnenschein), ließ der Blick auf Ralfs Zivilkleidung bei der Ausgabe der Startkarten (er konnte leider nicht mitfahren) nicht unbedingt Gutes erwarten. Ein Abgleich mit dem Online-Wetterbericht zeigte auch, dass es nachmittags und abends Gewitter und Starkregen geben könnte. Dafür sollte dieses Mal der Wind mitdrehen. Perfekt: wann hat man so etwas schon auf einem Rundkurs!
Um kurz nach 7:00 Uhr ging es mit leichtem Südostwind los aus der Stadt Richtung Westen raus. Nachdem die Stadtgrenze passiert war, stellte sich auch ein etwas gleichmäßigeres Tempo ein. Auch bildeten sich die ersten unterschiedlich schnellen Gruppen.
In Friesack steuerte unsere Gruppe auf eine Bäckerei zu, vor der bereits einige Randonneure winkten. Als wir die Bäckerei betreten wollten, kamen andere mit der Nachricht heraus, dass der Bäcker wohl hinreichend genervt sei und keine Stempel mehr verteilen würde! Die meisten fuhren direkt weiter. Ich entschied mich, es doch noch zu probieren, und siehe da, es klappte. Zum Dank noch ein Stück Kuchen gekauft, eingepackt, weiter. Leider war der Rest der Gruppe weg, und so fuhr ich erst einmal allein weiter. Nach ein paar Kilometern wieder eine kleine Gruppe vor mir in Sicht: Gas geben und heranarbeiten. Erste Stiche in der Wade kündeten davon, dass das mit dem Gas geben vielleicht doch suboptimal war. Egal. In der Gruppe fuhr es sich jetzt wieder entspannter, und wir blieben bis zur Elbfähre bei Werben zusammen. Die dort auftretende Zwangspause wurde eifrig zum Umladen des Proviants in die körpereigenen Speicher genutzt. Nachdem ca. 20 Fahrer gemütlich über die Elbe geschippert waren, konnten sie hinsichtlich der Straße erst einmal zwischen Pest oder Cholera wählen: Kopfsteinpflaster oder Sandstreifen. In Werben ging es jedoch wieder flott asphaltiert weiter. Dieses Mal hing ich an einer deutsch-polnischen Gruppe, die sich zügig Richtung Seehausen zur zweiten freien Kontrolle bewegte. Dort angekommen, schoben wir durch eine Baustelle in Richtung Innenstadt, wo wir einen Supermarkt mit Bäcker als Kontrollstelle auserkoren. Hier nutzten wir auch die Möglichkeit, Vorräte nachzukaufen. Irgendwie brauchte ich auch wieder länger als der Rest der Gruppe, und so musste ich wieder zusehen, dass ich hinterherkam (wobei sich die Wade wieder bemerkbar machte). Nach ein paar Kilometern war ich wieder dran und hielt das Tempo bis zu einem Anstieg: Wadenkrampf. Jetzt war klar, dass ich es doch etwas langsamer angehen lassen muss. Die restlichen Kilometer bis Lübz fuhr ich wieder im Wesentlichen alleine.
Der Wind hatte mittlerweile auf Südwest gedreht und im Rückspiegel sah ich einige dunkle Wolken aufziehen. Für Lübz hatte ich mir bereits vorher im Internet die Eldeterassen direkt am Wasser als mögliche Kontrollstelle herausgesucht. Dort traf ich auch auf drei Kollegen, die sich Eis, Kuchen (radlertaugliche Stücke) und Bier schmecken ließen. Dem konnte ich mich unmöglich entziehen, und eine vernünftige Pause ohne Hetze sollte jetzt schon mal drin sein. Während wir uns nach der Stärkung für die Weiterfahrt fertig machten, begann es zu schütten. Ein Blick auf das Regenradar im mobilen Internet zeigte eine Reihe Schauerzellen, die zum Teil heftige Niederschläge lieferten. Allerdings sollten sie in der Regel nicht sehr lange anhalten. Während die Anderen bereits bei nachlassendem Regen weiterfuhren, entschloss ich mich, auf das Aufhören des Regens zu warten. Nach einer weiteren Viertelstunde (und einer weiteren Cola) war es endlich soweit: der Niederschlag hatte aufgehört, alleine ging es weiter Richtung Röbel. Mit dem Regen hatte der Wind auf West gedreht, so dass es auch hier wieder mit Schiebewind weiterging. Die jetzt noch auftretenden Schauer waren alle deutlich schwächer und wurden von den Regenklamotten effizient abgehalten. Die Kontrolltanke in Röbel bot wieder Gelegenheit zur Aufstockung der Vorräte. Hier traf ich Dietmar, Hans und Wulf, und wir entschlossen uns, den Rest gemeinsam zu fahren. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass wir Neuruppin möglicherweise nicht mehr im Hellen erreichen würden, und so machten wir uns nachttauglich und fuhren gemeinsam los. Der Wind hatte erwartungsgemäß nachgelassen, und so fuhren wir in eher ruhigem Tempo Richtung Neuruppin. Dort angekommen wurden bei der letzten Kontrolle vor dem Ziel nochmals Kalorien und Koffein in Form von Bockwurst, Kaffee und Cola für die letzte Etappe nach Berlin getankt. Diese war weitgehend unspektakulär. In Flatow zeigte sich eine Differenz zwischen dem GPS-Track und der von Ralf versandten Karte. Der GPS-Track zeigte eine etwas längere Route (wenige Hundert Meter) an. Wir entschieden uns für die kurze Variante laut Karte, was sich kurz darauf als Fehler herausstellte. Die Strecke war völlig verschlammt und rutschig, was für mein Liegerad mit Vorderradantrieb und 20er Laufrädern absolutes Gift ist. Nach zwei Fast-Stürzen erreichten wir den rettenden Asphalt. Dieser blieb uns bis zur Berliner Stadtgrenze treu. Hier auf der Schönwalder Allee muss Berlin offensichtlich mit Pflastersteinen Besuchern, die aus dieser Richtung anreisen, demonstrieren, dass es arm (und vielleicht nicht ganz so sexy?) ist. Die letzten Kilometer bis zum Ziel konnten wir noch genießen, unmittelbar vor dem Einbiegen in die Zielstraße musste ich mir doch noch einen Platten einfahren, dessen Reparatur dann im Ziel erfolgte. Gegen 02:45 gaben wir die Kontrollkarten ab und ließen den Tag bei Lasagne und einem kühlen Bier Revue passieren.