von Rainer :
Samstag, 15. Mai, ziemlich früh... Großes "Hallo" im Amstel-House. Ca. 70 Starter wollen die von Ralf geplanten 400km durch die Prignitz in Angriff nehmen. Der Wetterbericht versprach einen Mix aus Sonne und Wolken sowie zum Nachmittag örtliche Gewitter in der Prignitz. So war es dann auch, incl. der "Örtlichen". Schnell noch einen Kaffee, die Entscheidung für Regenjacke und gegen Sonnebrille und um 7:03 rollte ich zusammen mit Ingo P. und Klaus E. auf dem von Ralf gemailtem Track. Nach kurzer Zeit wunderten wir uns, daß uns keiner folgte, bis wir merkten, daß uns mein Navi auf die Linie des Rückweges geschickt hatte. Das war aber nicht weiter schlimm, da dieser nahezu parallel zum richtigen Weg verlief. Also ein paar links-Schlenker durch Spandaus schöne morgendliche Altstadt und die Sache war korrigiert. Hier sahen wir dann auch kurz die anderen Fahrer beim Ampelstopp. Aber wir drei hatten heute "grün". Schnell lag die Stadt hinter uns und wir fuhren in schöner regelmäßiger Ablösung ein zügiges Tempo. Selten habe ich so ein harmonisches Fahren in kleiner Gruppe erlebt. Danke an Euch beide. Das war echter Spass. So erreichten wir schnell den Ort der ersten Kontrolle (Friesack). Hier stand ein Mitarbeiter einer Motorradwerkstatt gelangweilt vor seinem Laden. Wir waren sicher nicht die erwartete Kundschaft aber auf unsere Bitte gab er uns den für uns wichtigen Stempel und nach ein paar netten Worten saßen wir wieder auf dem Rad. Außerdem meinte er, daß vor uns noch kein weiterer Radler durchgekommen ist. Ich wollte es gar nicht glauben aber wir fuhren wohl ganz vorn. Und so ging es weiter, bis wir uns in einem Dorf kurz verfuhren (mein Navi streikte) und auf einer kurzen unbefestigten "Abkürzung" (man fährt ja so ungern zurück) eine Reifenpanne hatten. Durchschlag auf Schotterweg. Die Reparatur verlief professionell schnell. Das reichte aber um unseren Vorsprung zu verlieren - wir sahen die Hauptgruppe auf der sogleich folgenden richtigen Straße vorbei ziehen. Kurz danach erreichten wir die angekündigte Fähre vor Werben. Diese hatte gerade mit der eben erwähnten Gruppe abgelegt und wir hatten das Nachsehen im wahrsten Sinne des Wortes. Während der Wartezeit kamen immer weitere Fahrer hier an, so daß sich nach der Überfahrt eine größere Gruppe bilden konnte die direkt nach der Fährüberfahrt den Zusammenhalt in einer langen Kopfsteinpflaster-Passage testen konnte. Hier waren die breiteren Reifen eindeutig im Vorteil. In Seehausen wählten wir einen Supermarkt mit Back-Shop als Kontrollpunkt. Dies hatte den Vorteil, daß die Wasserflaschen gefüllt werden konnten und es wechselte das eine oder andere Kuchenstück den Besitzer. Gleich darauf ging es durch Baustellenschotter weiter. Der Straßenbelag blieb "anspruchvoll". Das ist wohl der Tribut an ruhige verkehrsarme Straßen und Wege. Irgendwo, ich weiß nicht mehr ob vor oder nach Lübz (der dritten Kontrolle), stand bzw. hockte Matthias K. neben einer Leitplanke und quälte sich mit der Disharmonie zwischen Felgen- und Manteldurchmessern. Ingo und ich hielten um zu helfen, Klaus kam auch gleich zurück und wir ließen unsere Gruppe ziehen. Und wir taten, glaube ich, damit ein gutes Werk, denn auch sein Ersatzschlauch war inzwischen infolge des perforierten Mantels hin und wir konnten mit einem Schlauch und dem Rat doch den neuen Mantel den er dabei hatte aufzuziehen, aushelfen. Somit waren wir zu viert und siehe da, bei der nächsten Kontrolle trafen wir unsere alte Gruppe wieder (ich glaube es war an der Tankstellen-Kontrolle in Röbel). Ingo entschied sich auf eine nächste Gruppe zu warten - die Pausenzeiten waren ja auch bis jetzt immer ziemlich kurz gewesen. Mir ging es auch nicht mehr so gut - das anfänglich hohe Tempo machte sich jetzt bemerkbar. Wir hatten auch noch nicht so richtig was gegessen. Ich entschied mich aber doch, ebenso wie Klaus und Matthias, gleich mit der erwähnten Gruppe weiter zu fahren. Ich glaube, bis zum Schluß waren wir ab da zu elft. Kurz vor Zempow haben wir uns dann noch einmal ein Stück verfahren, sa daß aus Ralfs geplantem 398er dann doch ein richtiger 400er mit ca. 410km wurde. Inzwischen hielt sich auch das Wetter an die Wetterfrösche und die hinter uns erschienenen dunklen Wolken holten uns ein. Also Regensachen anziehen und weiter. Spannend war das Bild einer Sturmbö ein paar 100m vor uns, die eine ordentliche Stauwolke über die Chaussee wehte. Da musste ich an den kürzlich erfolgten furchtbaren Massenunfall auf der Rostocker Autobahn denken. Nass blieb es bis zum Schluß. Wasser von oben, von unten und vom Hinterrad des Vordermannes. Das führte dazu, daß meine Schuhe und Socken vollkommen durchnässt waren. An der letzten Kontrolle in Neuruppin habe ich so gefroren und gezittert, daß mir die Vorbereitungen für die restliche Fahrt in die eintretende Dunkelheit (Reflexweste anlegen etc.) äußerst schwer fielen. Mann, war das (und ich) kalt geworden. Ich war sehr froh wieder auf dem Rad zu sitzen, damit endlich die körpereigenen Verbrennungsvorgänge für die Enstehung von Wärme sorgten konnten. Obwohl da wohl nicht mehr viel Brennstoff vorhanden war, was auch dazu führte, daß meine Führungsarbeit immer nur noch von kurzer Dauer war. Danke an Klaus und die anderen, die auf diesem letzten Stück noch Ernergie hatten. Auch auf diesem letzten Stück hatte Ralf für einen anspruchsvollen Straßenbelag gesorgt (einige km Kopfsteinpflaster ab Siedlung Schönwalde). Diese Herausforderung wurden durch die Dunkelheit und die Nässe noch gesteigert. Auch auf den asphaltierten Streckenabschnitten hörte man öfter ein Rumpeln, gefolgt von einem unterdrückten Fluch, wenn jemand in der Dunkelheit ein Schlagloch nicht gesehen hatte. Aber irgendwie erreichten wir dann doch die Berliner Zufahrtsstraßen und irgendwann sagte Matthias, ab hier kenne er den Weg bis zum Ziel genau. Auf mein nicht so ernst gemeintes "aber dann ab nach vorn" reagierte er promt und und nur von wenigen Ampelstopps unterbrochen erreichten wir um kurz vor halb elf das Amstel-House, holten uns den letzten Stempel, die lang ersehnte warme Dusche, etwas zu essen und das eine oder andere erfrischende Getränk. Noch ein Stündchen plaudern, "Heldentaten" auswerten und Pläne für die nächsten schmieden und dann wollten alle wohl nur noch nach Hause und ins Bett. Danke Ralf. Die Strecke war landschaftlich sehr schön, ziemlich flach (ca. 1100hm), hatte fast nur Rückenwind (wie Du das hinbekommen hast???), und der Masochist in mir hat auch ordentlich was abbekommen. rainer

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