von Ralf :
In der Hoffnung auf schönes, warmes Wetter versuche ich das 600er Brevet immer auf die längsten Tage des Jahres zu legen. Es ist schon ein Erlebnis, bis weit in die Nacht noch Licht zu haben und schon sehr früh die ersten Anzeichen der Dämmerung am Horizont zu entdecken.
Von den 50 angemeldeten Fahrern kamen nur knapp 40, diejenigen, die nicht kamen, hatten wohl bereits die Quali für P-B-P im Sack. Selber Schuld, sie haben ein schönes Brevet versäumt:
Dieses Jahr hatten wir Glück: es war nicht so kalt wie letztes Jahr, (aber dafür windiger). Die Anfahrt zum Harz kostete einiges an Kraft: hier war klar im Vorteil, wer im Schutz einer großen Gruppe unterwegs war. Dieses Glück hatte ich nur zum Teil, ich war auch längere Strecken alleine unterwegs, dies rächte sich kurz vor Quedlinburg, als auf einmal nicht mehr viel ging. In Quedlinburg habe ich dann den Rewe lehr gekauft und am Bäckerstand 2 Stück Zupfkuchen gegessen (eine Granate mit viel Fett, gibt aber Dampf!) und mit frischen Kräften ging es weiter. Meine Gruppe überholte ich dann ohne es zu merken, die hatten in Blankenburg die gleiche Idee und machten dort am Supermarkt Pause, aber wohl länger als ich.
Im Anstieg von Heimburg in Richtung Brocken trafen wir uns wieder, wir fuhren zusammen, aber doch allein, ist schon faszinierend, wie sich am Berg die Gruppen entwickeln: wer am Anfang Dampf hat ist oft (aber nicht immer) am Ende oder zwischendurch langsamer und wird wieder von den Leuten eingeholt, die er stehen gelassen hat. Bis zum Brockengipfel fuhr eigentlich jeder für sich. Am Brocken konnten wir nichts essen, „nur für Hotelgäste“ war die knappe Antwort. Vielleicht rochen wir auch zu stark?
Aber egal, alles angezogen, was wir hatten, die Abfahrt würde kalt werden. Auf dem ersten Schotterstück gleich einen Platten, haben wir nicht gern. Schlauch gewechselt, weiter gings. In Schierke, wo die Bürgersteige noch nicht hochgeklappt waren, bekamen wir noch zu Essen. Ich traute meinen Augen nicht: Grünkohlwochen im Sommer! Schmeckte gut, und war wegen der Bratkartoffeln auch sehr nahrhaft.
Als wir nach längerer Pause weiterfuhren, kam uns die letzte Gruppe entgegen, die noch auf den Brocken raufmußte. Die Armen! Die Abfahrt im Dunkeln ist wegen der beuligen Straße nur sehr langsam möglich, erst im unteren Bereich kann man es laufen lassen.
Der Harz bei Nacht ist schön zum Fahren: gute Straßen, fast kein Verkehr, den Mond im Blick und Kontrollstellen in kurzen Abständen hielten uns bei Laune. Die Abfahrten lief es gut, Dank Nabendynamo und 60Lux-Scheinwerfer waren die Begrenzungspfosten immer weit voraus erkennbar, und Gegenverkehr kündigte sich schon früh durch die Scheinwerfer an.
Nur Pech, daß bei einer Fahrerin eine Speiche am Laufrad riß. Normalerweise nicht das Riesenproblem, aber bei 24 Speichen schon. Mit offener Bremse ging es weiter, nun war Vorsicht bei den Abfahrten angesagt.
In Ballenstedt am Ausgang des Harzes war das Hotel „Auf der Hohe“ Kontrollstelle, die Inhaber schlugen sich für uns die Nacht um die Ohren, wir durften sogar an der Bar ein Nickerchen für 1 Stunde einlegen, und einige Fahrer buchten ein Zimmer, weil sie richtig schlafen wollten. Es gab lecker Gulaschsuppe, und um 6 Uhr ging es weiter, ab jetzt mit Schiebewind.
Aber auch der Schiebewind verhinderte nicht, daß ich das Tempo der Gruppe nicht halten konnte. Andreas aus Dresden ging es genauso, und wir fuhren unser Tempo in Ruhe und ließen die anderen ziehen. Wir sahen die Gruppe an jeder Kontrollstelle, sie waren nicht weit vor uns.
In Gröben haben Andreas und ich noch lecker Erdbeerkuchen im Gasthof Naase gegessen, diese Pause bescherte uns noch einen Platzregen in der Clayallee. Völlig durchnässt kamen wir im Amstelhouse an- geschafft! Nach 1 Lasagne und 2 Hefe kehrten die Lebensgeister zurück, der 600er war geschafft, die Quali für P-B-P im Sack!

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